Lazy Days on Germany's Romantic Road

Daisy Buchanan

Autorin von The Wickedly Unofficial Guide to Made In Chelsea, Mitarbeiterin von The Guardian, Grazia, MSN und Ghostwriter für Dappy von N-Dubz

Twitter: @NotRollergirl

Es begann mit Disneyworld. Als Kind verliebte ich mich in Epcot, die ganz eigene Welt in diesem gigantischen Themenpark in Florida. Ganz besonders gefiel mir die Disneyversion von Deutschland. Diese passt überhaupt nicht zu allem, was ich vorher über deutsche Geschichte gelernt hatte. Es war ein Land mit preußischen Prinzen, dunklen Wäldern, Mythen, Liedern und Lebkuchen. Ich hatte das Gefühl, dass Disneys Deutschland nicht wirklicher war als Tinkerbell, aber ich wollte unbedingt an die altmodische und magische Seite dieses Landes glauben. Als ich an der Universität mehr über alte europäische Mythen und Folklore erfuhr, konnte ich auch meine Neugier hinsichtlich der preußischen Landschaft befriedigen.

Ein Studienfreund teilte meine Leidenschaft für Epcot und empfahl mir ein ganz besonderes Reiseziel – die Romantische Straße. Seine Familie hat Sommerurlaube mit Fahrten durch die malerische Landschaft zwischen Frankfurt und München verbracht, und er dachte, dass man dort alles findet, was man von einer Reise überhaupt erwarten kann – hohe Berge, farbenfrohe Blumen, einmalige Sonnenuntergänge, viele Bäckereien und noch mehr kleine Orte mit seltsamen Namen. Wir könnten in Frankfurt beginnen und in aller Ruhe vier Tage später in München sein. Ich war sofort überzeugt.

Ich war vorher schon im Rahmen eines Schüleraustauschs in Frankfurt und erinnere mich daran als an eine typische moderne europäische Stadt – eine Mischung aus grauen Bürogebäuden und erleuchteten Schaufenstern. Ich erwartete eine unaufregende Fahrt und für einen Großteil der Fahrt auf der Autobahn machte ich so viele Kraftwerk-Witze, wie man als Mitfahrer in einem Auto nur machen kann, bevor der andere sich umdreht und zuschlägt. Gerade als es dunkel wurde, geschah das Magische. Wir fuhren von der Autobahn ab und wandten uns nach Miltenberg, wo ich sofort verstummte. Plötzlich hatten wir einen fantastischen Blick auf den Fluss, und alles, was ich tun konnte, war diesen zu genießen, während ich wartete, dass die Sterne aufgingen.

MÄRCHENHAFTE ANFÄNGE

Es dauerte nicht lange, bis wir Würzburg erreichten. Würzburg liegt direkt am Fluss und ist eine Stadt zahlreicher Kirchtürme, die dazu sehr studentisch wirkt. Sie erinnert durchaus an Sebastian Flytes Oxford in „Brideshead Revisited“ – oder auch an Harry Potters Hogwarts.

Würzburg ist sehr angenehm, es dauert aber nicht lange, bis man auf die beeindruckenden Geheimnisse der Stadt stößt. Die Würzburger Residenz ist ein Anblick, der die ganze Dekadenz des 18. Jahrhunderts feiert. Der italienische Künstler Tiepolo (beauftragt von niemand geringerem als dem Fürstbischof Karl Philipp von Greiffenclau) dekorierte die Kaiserhalle mit einer Reihe royaler Bilder. Für ernsthafte Kunstliebhaber ist dies der Himmel auf Erden. Andere können sich immer noch damit vergnügen, in der Halle auf und ab zu gehen und sich vorzustellen, sie wären der Prinzregent aus Blackadder.

"Die Fahrt von Würzburg nach Rothenburg ist nicht nur voller Postkartenmotive. Tatsächlich ist die Landschaft so farbenfroh, dass sie als lebendige Vorlage für Ansichtskartenmaler dienen könnte."

Wenn der Hunger kommt, probieren Sie das Auflauf am Peterplatz. Die Schlange der Wartenden reicht oft bis nach draußen, es lohnt sich aber wirklich, da dies möglicherweise das einzige Restaurant auf der Welt ist, in dem Sie Ihren eigenen Auflauf erfinden können. Die Kombination aus Huhn, Lauch und Ananas mag nicht alltäglich sein, funktioniert aber sehr gut.

Wenn Sie einen ganzen Tag in Würzburg verbringen, werden Sie viele hervorragende Übernachtungsmöglichkeiten finden. Andererseits bringt Sie eine kurze Fahrt aus der Stadt und den Fluss entlang ins wunderschöne Lauda-Königshofen. Dieser Ort liegt abseits der Touristenpfade, aber das Hotel Benz ist wirklich einen Besuch wert. Inmitten von Weinbergen ist es hier so ruhig, dass Sie sich sofort vom Lärm der Stadt zu erholen beginnen. Wenn Sie in Lauda-Königshofen bleiben, dürfen Sie sich auf keinen Fall den örtlichen Wein entgehen lassen. Ich meide süßen Weißwein normalerweise so wie Toys "R" Us an Heiligabend, aber der Riesling, den ich dort probierte, schmeckte wie gefrorener, leicht muskatiger Honig.

Die Fahrt von Würzburg nach Rothenburg ist nicht nur voller Postkartenmotive. Tatsächlich ist die Landschaft so farbenfroh, dass sie als lebendige Vorlage für Ansichtskartenmaler dienen könnte. Wir hatten Glück mit dem Wetter an diesem hellen Herbstmorgen mit genug Sommer in der Luft, um alles erblühen zu lassen. Wir nehmen deutlich war, dass wir höher und höher steigen, da die Berge entlang des Weges zu wachsen scheinen.

Obwohl die Straße altmodisch wirkt, mit endlosen Blumen und Feldern fürs Auge und keiner Gelegenheit, mal eben für einen Burger anzuhalten, sind viele Attraktionen hier nicht älter als die letzte Nachkriegszeit. Es ist daher ein wirkliches Ereignis, wenn man schließlich Rothenburg ob der Tauber erreicht. Rothenberg geht auf das Mittelalter zurück, und es wirkt irgendwie frisch und unverdorben. Viele der Hotels sind umgewandelte Bauernhöfe, und egal wie viel Zeit Sie in der Stadt verbringen – Sie erden nicht aufhören, damit zu rechnen, dass vor Ihnen auf dem Kopfsteinpflaster plötzlich kleine sprechende Tiere auftauchen.

Für Reisende, die sich gern gruseln, ist ein Abstecher zum Kriminalmuseum sehr empfehlenswert. Hier sehen Sie Folterinstrumente, darunter einige wirklich furchtbare, und einige, über die man nur staunen kann. Es ist nicht selten, dass Besucher darüber nachgrübeln, wofür diese schauderhaften Dinge eigentlich gedacht sind, bevor Sie sichtlich erschrecken, wenn es ihnen schließlich klar wird. Die Besucher hier sind mindestens so interessant wie die Ausstellungsstücke.

"Im tiefsten Mittelfranken liegt Feuchtwangen, mit einem leicht seltsam klingenden Namen, aber ein fantastischer Ort, um mehr über die jüngste deutsche Geschichte zu erfahren."

Das beste an Rothenburg ist eine lokale Spezialität mit dem Namen Schneeball. Die Bäckerei Friedel am Markt 8 ist der beste Ort für Qualität und Quantität auf diesem Gebiet. Dieses Gebäck ist ungefähr so groß wie ein Kopf. Essen Sie nicht zu viel davon, und lassen Sie noch Platz fürs Abendessen im Hotel Geberhaus auf der Spitalgasse, das den besten Biergarten und die besten Würste der Stadt hat. Buchen Sie ein Zimmer, bevor Sie sich setzen – nach allen diesen Würsten und den Bieren auf der Karte werden Sie nur noch die Treppe hinaufkriechen und schlafen können. So ist es wirklich leichter.

Hinter Rothenburg begann die kitschige Landschaft, uns hysterisch zu machen. Wir erfanden Schutzheilige für jede Kirche, an der wir vorbeikamen, und die Zahl der Kirchen schien die der Verkehrsschilder deutlich zu übersteigen. Wir waren derart vollgestopft mit Zucker (das einst nagelneue Auto war voller leerer, verschmierter Ritter Sport-Verpackungen), und die Straßen waren absolut vollgestopft mit Touristen. Da wir in diesem Zustand keinen Sinn für die kulturellen Höhepunkte der Alten Welt hatten, fuhren wir wieder auf die Autobahn nach Feuchtwangen, einem Ort, den mein Begleiter als „in interessanter Weise seltsam“ beschrieb.

Wenn man wieder auf die Straße fährt, kann man sehr leicht abgelenkt werden, da jeder Ort, durch den man kommt, ein bisschen zauberhafter wirkt, als der davor. Es lohnt sich, sich zu konzentrieren und nur die Landschaft zu genießen, bis man nach Feuchtwangen im tiefsten Mittelfranken kommt. Die Stadt hat einen leicht seltsam klingenden Namen, ist aber ein fantastischer Ort, um mehr über die jüngste deutsche Geschichte zu erfahren. Hier gibt es sehr viele Cafés, Bars und Kneipen mit der typisch europäischen Ästhetik, die die ganze Strecke auszeichnet, man sieht aber auch seltsame und futuristische öffentliche Gebäude. Diese stammen aus den 1930-er Jahren, sehen neben den Holzhäusern aber wie Raumschiffe aus Zement aus. Die Fahrt in die Stadt führt durch einen Tunnel aus hellgrünen, überhängenden Blättern – danach ist die Lebendigkeit von Feuchtwangen durchaus ein kleiner Schock.

Die Stiftskirche von Feuchtwangen ist sehr sehenswert, da sie über einen der wenigen verbleibenden Türme der Stadt verfügt. Viele der Befestigungsanlagen der Stadt wurden im 19. Jahrhundert abgebaut. Wenn Sie jedoch die Geschichtsstunde auslassen und etwas glamouröseres tun möchten, gegen Sie direkt zur Spielbank Feuchtwangen, dem ultramodernen Kasino der Stadt. Das Gebäude sieht mehr wie ein Versteck für Prominente aus Los Angeles aus, als ein Spieltempel, mit seinen Glaskästen, die Ihnen einen fantastischen Blick über die Dächer der Stadt bieten. Es lohnt sich durchaus, nur zum Abendessen hierher zu kommen. Die Speisen sind europäisch mit deutschem Akzent, und obwohl die Karte keine Überraschungen enthält, ist die Qualität wirklich hervorragend.

Feuchtwangen hat alle unsere urbanen Gelüste befriedigt, wir folgten also wieder unserem alten Muster. Wir waren von nichts anderem als dunkelgrünen Hügeln und einem weiten und leeren Himmel umgeben, der langsam die Farbe durchsichtiger Perlen annahm. Manchmal war die Straße so steil, dass wir das Gefühl hatten, direkt bis zu den Wolken zu fahren.

Die Fahrt aus Feuchtwangen heraus ist einmalig, und wenn Sie Glück haben, sehen Sie vielleicht auch einige interessante Tiere. Es gibt das Gerücht, dass in dieser Gegend sehr viele Wildschweine vorkommen, obwohl es nicht viele verbürgte Begegnungen gibt. Gehen Sie aber dennoch vorsichtig vor. Unser nächstes größeres Ziel ist Augsburg, wo Geschichte und Kultur in spektakulärer Weise mit der Moderne zusammentreffen.

Augsburg erscheint auf den ersten Blick ernst und seriös. Diese Stadt wurde von zwei märchenhaft reichen Familien gegründet und auch heute noch einige ganz eigene Gesetze. Die Renaissancearchitektur der Stadt ist beeindruckend und wunderbar, dies gilt aber auch für den Blick auf die Alpen. Wenn Sie jedoch die subversive Seite der Stadt kennenlernen möchten, besuchen Sie das Haus von Bertolt Brecht – ein Hauch von Sozialismus inmitten stolz gezeigten Reichtums.

Augsburg ist voll mit traditionellen Wirtshäusern, wenn Sie jedoch dorthin gehen wollen, wo die Einwohner dieser Stadt zu finden sind, probieren Sie die Knödel im Ratskeller, und gehen Sie dann ins Elements für Wodka-Cocktails und Tanz. Das Hotel Am Rathaus ist gleich um die Ecke – luxuriös, aber nicht protzig, und Extras wie Kekse auf dem Zimmer und parfürmierte Luftbefeuchter sorgen für eine gemütliche Atmosphäre.

Erst hinter Augsburg wurde mir klar, wie hoch wir schon waren. Die Fahrt aus der Stadt bei Sonnenuntergang ist eine wirklich melancholische Erfahrung. Die Stadt wirkt wie die Schlussszene eines Wes Anderson-Films, wenn Sie sie über Ihre Schulter ansehen, eine orange-goldene Sonne, die sich an Gebäuden und Bäumen spiegelt, deren Farbe von Neon zu Kupfer wechselt.

Unser langsamer Abstieg zum Fuß der Alpen führte uns durch die Orte Schongau, Pfaffenwinkel und Schwangen. Wenn Sie diesen ganzen Weg ohne Kichern schaffen, sind Sie wirklich und nachweislich erwachsen. Wenn Sie die Gegend um Pfaffenwinkel näher kennenlernen möchten, können Sie einen Umweg über den Flecken Wies machen und sich die Wieskirche ansehen. Diese ist eine UNESCO-Welterbestätte aus dem 18. Jahrhundert – der Legende nach konnte eine der Statuen in dem Kloster weinen. Hunderte von Jahren später zieht die Wieskirche immer noch Pilger an.

Der magischste Ort von allen wartet aber am Ende der Strecke, in Füssen – dieser Ort ist so schön, dass man erwartet, die Häuser wären aus Lebkuchen mit Zuckerguss. Aber die Krönung dieser mythischen Landschaft ist das atemberaubende Schloss Neuschwanstein, das hoch am Horizont zu sehen ist. Als mein Blick darauf fiel, fühlte ich mich sofort in meine Kindheit zurückversetzt. Dieses Gebäude ist das Vorbild für das Dornröschenschloss in Disneyland in Florida – ich hatte das Märchendeutschland gefunden, das sich vor so vielen Jahren unauslöschlich in meine Phantasie eingeschrieben hatte.

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